Deutsche Klarinetten-Gesellschaft e.V.

Pädagogische Gedanken

 

Jenny Maclay 

ist eine amerikanische Klarinettistin, die z.Zt. in Paris lebt. Auf ihrer Webseite beschreibt sie jeden Freitag ein Thema in Bezug auf die Klarinette. Hier haben wir einen Artikel herausgegriffen und ins Deutsche übersetzt. Der originale Artikel ist unter http://jennyclarinet.com zu finden sowie weitere pädagogische Gedanken in ihrer Reihe “Quick Fix Friday”.

 

Quick Fix Friday - Lungenblockade

Atmung - Ich fand es schon immer komisch, wie wir unser ganzes Leben verbringen, ohne darüber nachzudenken, um dann in dem Moment, wo wir anfangen ein Instrument in die Hand zu nehmen (gewisse Instrumente bilden eine Ausnahme) alles zu vergessen, was wir darüber wissen. 

Bläser verbringen zweifellos unzählige Stunden mit dem Studium verschiedenster Schaubilder und Diagramme zum Verhältnis Lunge - Mundhöhle; Unterrichtsstunden und Meisterkurse zum Thema „richtige Atmung” werden besucht und man beginnt Sport zu treiben (hej, schadet nicht!). Es gibt sogar spezielle Kurse um bessere Atemtechniken zu erlernen und zu vertiefen, z.B. „The Breathing Gym”. Wie kann etwas so Natürliches so viel Unsicherheit bei Musikern hervorrufen  (außer man hatte sich in weiser Voraussicht gleich für Klavier, Geige oder Percussion entschieden)? Dies soll keine tiefgreifende Untersuchung zum Thema Atmung werden. Wem danach ist, wird z.B. bei Arnold Jacobs fündig, z.B. „Song and Wind”.

Aber ein häufiges Problem, das uns alle immer wieder befällt, will ich einmal herausgreifen. Und dafür gibt es auch eine einfache Lösung - wir atmen zu viel. Zugegeben, es gibt Momente, da wünscht man sich, man hätte mehr Luft zur Verfügung, aber wie steht es mit dem Wunsch Luft auszuatmen? Genau das passiert, wenn man oft kleine Atemzüge macht, anstatt sich auf einen tiefen Atem zu konzentrieren. Dieses Phänomen kann man als Lungenblockade bezeichnen.

Die offensichtliche Lösung ist, nicht so oft zu atmen. Außerdem muss man sich bewusst machen, was einen Atem in der Musik auslöst, nämlich die Pausen. Unbewusst ist uns in unserem musikalischen inneren Sein tief eingegraben, dass man während einer Pause entspannt (daher der Name) oder meint vorbeugend atmen zu müssen, um später nicht mitten in einer Phrase in Luftnot zu geraten. Dies kann z.T. mehr schaden als nützen.

Schauen wir uns die bekannte Melodie an (Notenbeispiel). Wenn man in jeder Pause atmen würde, würde man 13 mal (sogar 14 mal, wenn man den Anfangsatem mitzählt) innerhalb einer Phrase von 25 Takten atmen, was nicht nur unnötig ist, sondern auch noch die verbrauchte Luft in der Lunge einsperrt. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Pausen Teil der Musik sind und durch Atmen in allen Pausen der Fluss der Phrase unterbrochen wird.

 (Thema aus Rossinis „Introduktion, Thema und Variation” für Klarinette)

Die Lösung? Man muss die Atemstellen sorgfältig vorausplanen und dann die Phrasen entsprechend gründlich üben. Außerdem gilt es darauf zu achten, dass jeder Atemzug zählt. Nicht einfach oberflächlich atmen, weil da eine Pause ist. Und schließlich, muss man darauf achten, dass man die Lunge komplett füllt, bevor man überhaupt anfängt zu spielen, um nicht nochmal zusätzlich nachzuatmen. 

Und jetzt, tief einatmen (wie gesagt, nur einmal tief und nicht mehrfach oberflächlich) und üben!

 

Rätsel

 

 

Suchbild

Wer findet den Fehler: Auf dem Bild sind drei Klappen falsch. Welche sind das? 

 

gemalt von Anna Matzen

Antwort: Die Klappen 3, 4 und 12