Deutsche Klarinetten-Gesellschaft e.V.
  • Frühjahrstreffen vom 17. bis 19. April 2015 in Erftstadt

 

Das diesjährige Frühjahrstreffen des Klarinettenchors der Deutschen Klarinettengesellschaft fand vom 17. bis zum 19. April in Erftstadt auf Einladung der örtlichen Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule statt. Die Einladung verdankt der Klarinettenchor seinem langjährigen Mitglied Ulrike Warnecke, die in Erftstadt sehr erfolgreich als Klarinetten-lehrerin an der Musikschule wirkt. 

Um es vorwegzunehmen: das diesjährige Frühjahrstreffen zeichnete sich durch eine rekordverdächtige Teilnehmerzahl in Symphonieorchesterstärke (55 (?) Klarinettistinnen/-en im Alter zwischen 10 und X Jahren), einem auch diesmal wieder von Christof Hilger zusammengestellten tollen und sehr anspruchsvollen Programm sowie durch eine reibungslose Organisation und nicht zuletzt eine fürsorgliche und immer zuvorkommende Betreuung aus (was will man mehr erwarten, wenn man am Freitag um 16:00 Uhr ankommt und der Kaffee quasi schon in den Tassen dampft).

Wie immer begann das Treffen bereits  ca. 6 Wochen vor der eigentlichen Zusammenkunft mit der „Veröffentlichung“ der Stimmverteilung und dem Versand der Noten – angesichts der Vielzahl der Teilnehmer, den unterschiedlichen Ausbildungsständen sowie den individuellen Wünschen und Vorlieben keine kleine Herausforderung, die aber auch diesmal von Angela Hitzbleck in bewährter Manier souverän gemeistert wurde. Dann begann das Üben, denn bei einer Anzahl von insgesamt 10 verschiedenen Stücken, die in eineinhalb Tagen aufführungsreif zu erarbeiteten sind, bedarf es einer gründlichen individuellen Vorbereitung. Auch hier war die Musikschule Erftstadt durch Ulrike Warnecke hervorragend präpariert: Im Unterricht waren alle Stücke intensiv mit den Schülern geprobt worden, so dass selbst die noch nicht ganz so erfahrenen Kinder problemlos mithalten konnten. 

Die eigentlichen Proben mit Christof Hilger waren wie immer ein Quell der Freude: Sei es das gemeinsame Einspielen mit Tonleitern, seien es die Bonmots, mit denen über kleinere Konzentrationsschwächen hinweg gegangen wurde („Was ist schon ein halber Ton unter Freunden“) oder die interaktiven Spiele mit denen das „Suppenkoma“ nach dem Mittagessen bekämpft wurde (hier hätte jeder Motivationstrainer seine helle Freude gehabt). 

Verblüffender Höhepunkt der Probenarbeit ist aber immer wieder die Wirkung der Methode „Hilger 1“: 55 Musikerinnen/-en „spielen“ ohne Instrument. Ich kenne keine effizientere Methode, technisch anspruchsvolle Passagen oder die musikalische Dynamik einzustudieren (der „Vorher-/Nachher-Vergleich“ ist jedes Mal frappierend). Unter den schon häufiger dabei gewesenen Musikern liefen deshalb im Vorfeld auch „Wetten“, wann diese Methode das erste Mal zum Einsatz kommt (dieses Mal war es Freitagabend gegen 20:00 Uhr). 

Wer allerdings aufgrund der gelösten Atmosphäre glaubt, auf die Qualität der Probenarbeit Rückschlüsse ziehen zu können, irrt gewaltig: Trotz aller Lockerheit war die Arbeit in den eineinhalb Probentage (plus Anspielprobe vor dem eigentlichen Konzert) auch dieses Mal überaus intensiv und professionell. Andernfalls ließe sich auch ein derartiges Programm, bei dem jedes Stück nur etwa 2-mal intensiv bearbeitet werden kann, nicht mit der erreichten Qualität zur Aufführung bringen.

Weitere Höhepunkte der Treffen sind jedes Mal die geselligen Zusammenkünfte am Abend nach Probenende. Auch hier hatte die Musikschule Erftstadt vorgesorgt: Ob griechische oder italienische Küche – kein Musiker musste hungrig ins Bett gehen. Im Gegenteil: Qualität und Quantität der Speisen ließen ebenso wenig Wünsche offen wie das Ambiente der gewählten Lokalitäten. Gleiches galt für die „flüssige Nahrung“, so dass auch die eingefleischten Sambuca-Liebhaber auf ihre Kosten kamen.

Das sonntägliche Abschlusskonzert fand in dem beeindruckenden Festsaal der Musikschule in Erftstadt statt. Hier zeigte sich ein letztes Mal die Qualität der organisatorischen Vorbereitung durch die Musikschule: Dank der sehr guten Öffentlichkeitsarbeit war der nicht eben kleine Saal nebst Empore gut gefüllt, so dass ein stattliches und verständiges Publikum in den Genuss unserer eineinhalbtägigen Arbeit kam. 

Für das „Vorprogramm“ hatte Ulrike Warnecke mit zwei ihrer „Bambinis“ mit dem Klarinettentiger von Matthias Müller ein lustiges Stück für Kinder einstudiert. David Müsch und Elia van Melis zeigten, dass die Klarinette auch schon von kleinen Kindern sehr schön gespielt werden kann. Publikum und Klarinettenchor waren gleichermaßen begeistert. 

Das Konzert des Klarinettenchores selbst wurde mit der Ouvertüre zu Mozarts Zauberflöte eröffnet, arrangiert von Hans Jägemann, der selbst mitspielte und schon viele Stücke (nicht nur) für Klarinettenchor arrangiert hat. 

Danach wartete mit Habanera von Alexis Ciesla, einem rhythmisch und technisch anspruchsvollen Stück für Klarinettenensemble und Soloklarinette, ein echter Leckerbissen: Angela Hitzbleck räumte mit Ihrem souveränen und konzertanten Spiel letzte Zweifel aus, das die Bassklarinette nicht auch ein sehr schönes Soloinstrument sein kann. 

Die alten Tänze und Weisen für Laute von Ottorino Respighi, das dritte Stück im Konzert, klingen zwar sehr nach Barockmusik, wurden aber erst im 20. Jahrhundert veröffentlicht (die im Konzert gespielte 3. Suite stammt aus dem Jahr 1931). Insofern passte dieses Stück, auch wenn beim Hören nicht unmittelbar zu vermuten, in die musikalisches Zeitreise dieses Konzerts.

Mit den 4 Sätzen aus der Peer Gynt Suite von Edward Grieg wurde das Programm dann fortgesetzt. Auch hier handelte es sich um ein spezielles und sehr schönes Arrangement für Klarinettenchor, bei dem mit Ulrich Lehna an der der Kontra-Alt-Klarinette der Arrangeur wiederum selbst mitspielte.

Den Abschluss bildeten 2 Sätze aus der 1987 entstandenen Suite Puszta von Jan Van der Roost, die bewusst in Erinnerung an Brahms oder Dvoraks Ungarische Tänze bzw. Slawische Tänze komponiert wurde. Der Solopart zur Eröffnung des 1. Satzes wurde sehr künstlerisch von Olaf Westerfeld gespielt, der schon während der Proben zahlreiche Varianten dieser an ein Zigeuner-Geigenspiel erinnernden Eröffnung zum Besten gegeben hatte. 

Wie immer sehr kenntnisreich von Christof Hilger moderiert, kam der Klarinettenchor auch bei seinem Konzert in Erftstadt nicht um eine Zugabe für das begeisterte Publikum herum („Was wäre ein echtes Konzert ohne Zugabe“). Ein Wunsch, der mit dem Bergkönig aus der Peer-Gynt-Suite gerne erfüllt wurde.

Mit ein bisschen Wehmut ging man dann nach zwei sehr schönen Tagen wieder auseinander – allerdings im Wissen und mit der Vorfreude auf das nächste Treffen des Klarinettenchores der Deutschen Klarinettengesellschaft vom 11. bis 13. September in Eckernförde. 

 

Hans-Hermann Gröger

 

Hier eine kleine Fotoauswahl:

 

Im Saal

Im Saal

Probe

Probe

Christoph Hilger

Christoph Hilger

Konzert in Erftstadt

Konzert in Erftstadt