Deutsche Klarinetten-Gesellschaft e.V.

Archiv aktueller Meldungen der vergangenen Zeit

In Erinnerung an Guido Six (1955-2015)

Die Klarinettenwelt trauert um ihn: Der Belgier Guido Six, Lehrer und  Leiter des "Claribel Clarinet Choir" ist am 30. Oktober zusammen mit  seinem Sohn Jef bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Der Vorstand  der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft möchte sich der allgemeinen  Trauer um einen Musiker der unendlich viel für die Musik und besonders  für die Klarinette getan hat anschließen und drückt der Familie sein tiefes  Mitgefühl aus.

 Die Trauerfeier findet am Samstag, den 7.11.2015 in Ostende/Belgien statt.

 

Nachruf Alan Hacker

Alan Hacker, einer der Pioniergeister der Klarinette, ist nach längerer Krankheit im Alter von 73 Jahren am 16. April 2012 von uns gegangen. Der Schüler Reginald Kells hat auch durch ein Stipendium in Paris, Bayreuth und Wien studieren können. Schon während seines Studiums an der Royal Acadamy of Music wurde er ins London Philharmonic Orchestra berufen und bald darauf wurde er Professor für Klarinette an seiner ehemaligen Hochschule.

In seinen späten 20er Jahren durch ein Gerinnsel in der Wirbelsäule plötzlich an den Rollstuhl gefesselt, musste er das Orchester verlassen. Seine Energie, sein Ideenreichtum und seine Kräfte konnte man aber nicht fesseln. Durch engen Kontakt zu Komponisten wie Peter Maxwell Davies und Harrison Birtwistle sowie anderen gleichgesinnten Musikern  wurde Alan zu einem Motor der Musikgeschichte, entwickelte neue Spieltechniken und inspirierte viele Zeitgenossen. Ensembles wie die „Pierrot Players“ und die „Fires of London“ zeugen davon.

Nicht nur die Neue Musik hat er erforscht. Alan Hacker war einer der ersten, der versucht hat das Mozart Klarinettenkonzert für die Bassettklarinette zu rekonstruieren. Bassettklarinetten in A und B sind “wiederauferstanden” und er hat bei Schott eine neue Ausgabe herausgebracht. Die Bassettklarinetten wurden dann interessanterweise zu seinen Hauptinstrumenten und so, 40 Jahre nach den Anfängen, werden Bassettklarinetten in A von den Instrumentenbauern gebaut.

Alan war nicht nur in der Neuen Musik und bei der Mozart-Forschung aktiv, sondern er war auch einer der ersten Verfechter der historischen Aufführungspraxis. Aufnahmen unter anderem von dem Ensemble „The Music Party“ dokumentieren diese Seite von ihm.

In den späten 70er Jahren wechselte Hacker zur University of York, wo er sich gut entfalten konnte. Dort begann eine fruchtbare langjährige Zusammenarbeit mit dem Fitzwilliam String Quartet. Hier betrieb er mit seiner dritten Ehefrau Margaret auch noch einen Verlag für Klarinette. Dort begann auch seine Zeit als Dirigent. Nicht dass er nicht mehr Klarinette spielen wollte, sondern es war einfach eine Weiterentwicklung, die viele Orchester, vor allem Opernhäuser in ganz Europa bereichert haben. Auch in Deutschland war er z.B. in Stuttgart, Schwetzingen, Berlin und Köln tätig.

Alans intensive Leidenschaft für die Musik und seine Entschlossenheit den Staub der Jahrhunderte von der Musikpraxis zu beseitigen, haben ihm nicht immer nur Freunde beschert. Von den Dauerschmerzen und den ganzen begleitenden Krankheitsbildern, die er ertragen musste, werden viele nichts bemerkt haben. Seine enorme Energie, Originalität, Musikalität und die Fähigkeit mitzureißen dagegen bleiben in hellster Erinnerung.

Alan Hacker war dreimal verheiratet und hinterlässt seine erste Frau mit deren zwei Töchtern Sophie und Katie, seine zweite Frau Karen mit deren Sohn Alcuin und seine dritte Frau Margaret.

(David Glenn)

Nachruf Dieter Klöcker

Dieter KlöckerEiner der ganz Großen der Klarinettenwelt ist von uns gegangen. Dieter Klöcker ist kurz nach seinem 75. Geburtstag am 21. Mai 2011 in Kirchzarten gestorben.

Er war ein Klarinettist, der nicht nur sein Instrument perfekt beherrschte, und seine Zuhörer durch seine persönliche Art beglückte, sondern ein Musiker, der stets auf der Suche nach unbekannter Literatur war, der auch immer den Blick auf das Ganze lenkte, der sich für die verkannten Komponisten in der Musikgeschichte einsetzte und andererseits als Hochschullehrer für den gebildeten künstlerischen Nachwuchs sorgte.

Seine musikalische Heimat war zweifellos die musikalische Klassik und Romantik, deren Spektrum er durch seine Notenfunde und die zahlreichen CD-Einspielungen mit seinem Ensemble, dem Consortium Classicum, bereicherte. Klöcker war immer auf Reisen: Entweder als Musiker weltweit mit seinen Consortium Kollegen oder als „Ausgräber“ in den entlegensten Bibliotheken. Seine forschende Rastlosigkeit, die sich bei Unterhaltungen mit ihm in sprudelnder Eloquenz zeigte, hat nun ein Ende.

Die Klarinettenwelt nimmt Abschied von ihm, trauert mit seiner Witwe und seinem Sohn. Was bleibt, sind seine unzähligen Tonaufnahmen, Notenausgaben und vor allem die Erinnerung an einen ganz von der Musik beseelten Menschen.